Ich hatte vor, mich von meiner Frau scheiden zu lassen, bis ich mitbekam, wie sie sich ihrer Mutter anvertraute.

Noch vor einem Jahr hätte Nathan niemals geglaubt, dass ihre Ehe an diesem Punkt enden könnte. Grace war immer die Erste gewesen, die ihn nach einem langen Arbeitstag mit einem Lächeln begrüßte. Sie hatte seine Hand gehalten, wenn sie gemeinsam auf dem Sofa saßen, und sie hatte jede noch so kleine Erfolgsmeldung seiner Firma gefeiert, als wäre es ihr eigener Triumph gewesen. Doch nach und nach war all das verschwunden. Die gemeinsamen Gespräche wurden kürzer, ihre Blicke wichen einander aus und jedes Wochenende verbrachte Grace bei ihrer Mutter Margaret in Georgetown.
Nathan suchte lange nach einer einfachen Erklärung. Vielleicht war Grace einfach erschöpft. Sie arbeitete als Verwaltungskoordinatorin in einem privaten Krankenhaus in Washington D.C. und übernahm seit Monaten zusätzliche Schichten. Gleichzeitig kämpfte auch Nathan mit den Herausforderungen seines Bauunternehmens. Zwischen Baustellen, Lieferterminen und Kunden blieb kaum Zeit zum Durchatmen. Er redete sich ein, dass beide nur eine schwierige Phase durchlebten und bald wieder zueinanderfinden würden.
Doch die Wochen vergingen, ohne dass sich etwas änderte. Immer häufiger blieb Grace schweigend am Esstisch sitzen. Wenn Nathan einen Raum betrat, fand sie oft einen Vorwand, ihn wieder zu verlassen. Auf seine Fragen antwortete sie stets mit demselben müden Lächeln.
„Ich bin nur erschöpft.“
„Mach dir bitte keine Sorgen.“
Nathan wollte ihr glauben, doch mit jedem Tag fiel ihm das schwerer. Je länger das Schweigen zwischen ihnen anhielt, desto mehr begann seine Fantasie Antworten zu finden, die ihm niemand gegeben hatte. Er suchte nach Hinweisen, fand jedoch keine Nachrichten, keine Fotos und keinen eindeutigen Beweis dafür, dass Grace ihr Herz einem anderen Menschen geschenkt hatte. Trotzdem blieb das Gefühl bestehen, dass sie sich immer weiter von ihm entfernte.
Mehrmals versuchte Nathan, das Schweigen zu durchbrechen.
„Ist wirklich alles in Ordnung?“
Grace nickte nur langsam.
„Ja.“
„Dann sag mir bitte, warum du mich kaum noch ansiehst.“
Sie senkte den Blick.
„Es liegt nur an der Arbeit.